Sind Damenverbindungen eine neumodische Erscheinung in der Tradition des Feminismus?
Keineswegs. Die ersten Damenverbindungen entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts, kurz nachdem Frauen zum Studium an den Universitäten zugelassen wurden.
Sogar das Internet bietet Informationen über die lange Tradition von Damenverbindungen, siehe etwa hier.

Couleurstudentinnen anno dazumal
Freilich erscheinen Damenverbindungen oft als etwas völlig Neumodisches, dies liegt daran, dass einige erst in den 1980er Jahren erfolgreich reaktiviert werden konnten. Die Tradition der Damenverbindungen ist allerdings viel älter.
Wir Viruninnen sind sicherlich keine Feministinnen, die die Männerdomäne des Couleurstudententums an uns reissen möchten. Wir sind aber in vielerlei Hinsicht moderne, selbstständige, engagierte Frauen – Studentinnen und Akademikerinnen – die das couleurstudentische Brauchtum für sich auf eine angemessene Art und Weise lebbar machen möchten, ohne dabei das Männerbündische zu kopieren. Wir sind weder martialische Brunhilden oder Feministinnen, aber auch nicht Heimchen am Herd. Konservativ und christlich zu sein bedeutet für uns nicht Rückzug in die Abhängigkeit eines starken Ernährers, sondern Bewahrung christlicher und gesellschaftlicher Werte im Gleichschritt mit der Moderne. (Nicht alles, das neu ist, ist gut und nicht alles, das alt ist, ist schlecht – es kommt auf die Mischung an!)
Christlich … was bedeutet das?
Wir bilden keine Nonnen aus und verbringen unsere Tage auch nicht mit Rosenkranzbeten.
Dass wir eine christliche Studentinnenverbindung sind, bedeutet, dass wir uns aber sehr wohl zu unserem christlichen Glauben bekennen (unsere Gründungsmitglieder sind gemischt evangelisch und katholisch) – und demnach auch zur christlichen abendländischen Kultur.
Der Zusatz christlich ist aber auch eine klare Abgrenzung zu den nicht konfessionell gebundenen Korporationen. Im Gegensatz zu diesen leben wir unser Prinzip der religio, indem religiöse Elemente in unsere Veranstaltungen integriert werden (z.B. die Lesung des Weihnachtsevangeliums im Rahmen unserer Weihnachtskneipe), Verbindungsmessen gefeiert werden (so ist z.B. vor unserem Stiftungsfest-Kommers der Besuch einer Messe angedacht) und ein/e Verbindungsseelsorger/in bestellt werden muss.
Seid ihr eine Burschenschaft?
NEIN. Wir sind a) eine Damenverbindung und b) eine konfessionelle Korporation. Obwohl schon Punkt a) diese Frage logischerweise ausschließen müsste, wird sie immer wieder gestellt, was vielleicht dem Erscheinungsbild der Couleurstudenten und Couleurstudentinnen nach außen im Allgemeinen, aber auch falschen oder nur oberflächlich recherchierten Medienberichten zugrunde liegt.
Neben der konfessionellen Gebundenheit ist auch das Verständnis des Prinzips patria (=Vaterlandsbegriff) bei (den meisten) nicht konfessionellen Korporationen ein anderer.
Wir bekennen uns zu einer demokratischen Republik Österreich in einem geeinten Europa.
Seid ihr eine sog. schlagende Verbindung?
NEIN. Siehe Absatz oben.
Seid ihr rechts/reaktionär/Nazis?
NEIN,
NEIN
und NEIN.
In unseren Statuten ist verankert, dass wir uns in keinster Weise als politischer Verein sehen oder als solcher agieren.
Es ist aber selbstverständlich jedem Mitglied gestattet, sich als Privatperson politisch zu engagieren – solange dies in einer demokratischen und rechtsstaatlichen Art und Weise geschieht.
Wir mögen zwar alle mehr oder weniger christlich und konservativ sein, aber wir sind sicherlich keine reaktionären, verstaubten Personen, die bei Wahlen gemeinsam ein Kollektiv-Kreuzerl irgendwo ganz am Rande machen.
Ich wage zu behaupten, dass sich weder Linke noch Rechte bei uns sonderlich wohl fühlen würden.
“Konservativ” ist also das richtige Wort, um alle drei Fragen abschließend zu beantworten.
Seid ihr ein Geheimbund?
NEIN. Auch wenn Außenstehenden Couleurstudentisches oft als mysteriös und befremdlich erscheint, sind wir keineswegs ein Geheimbund. (Hat schon jemand einen Geheimbund mit einer Internetpräsenz gesehen?)
Unsere Veranstaltungen stehen Gästen offen, ausgenommen sind lediglich die verbindungsinternen Convente, weil hier Entscheidungen gefällt werden.
Interessentinnen können jederzeit unter webwart[KLAMMERAFFE]virunia.com (siehe auch Rubrik Kontakt) mit uns in Verbindung treten. Über ihre Aufnahme in die C.Ö.St.V. Virunia zu Clagenfurth entscheidet der Damenconvent.
Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um einen Antrag um Aufnahme in die C.Ö.St.V. Virunia zu Clagenfurth stellen zu können?
Wenn du weiblich bist, Matura (Abitur) absolviert hast und an einer Kärntner Hochschule, Fachhochschule oder einem gleichgestellten Institut (z.B. der Pädagogischen Akademie) studierst oder studiert hast, dich mit den vier Prinzipien patria, religio, scientia und amicitia identifizieren kannst und einer christlichen Konfession angehörst, kannst du dich zwecks Receptionsgesuch bei uns melden. Die Staatsbürgerschaft spielt hierbei keine Rolle, du solltest aber der deutschen Sprache mächtig sein, da sämtliche Veranstaltungen in selbiger gehalten werden.
Wir versenden allerdings keine Aufnahmeformulare an Unbekannte, ein gegenseitiges – persönliches – Kennenlernen ist also unbedingt erforderlich, bevor du ein Ansuchen um Reception an den Damenconvent stellen kannst. Schau doch einfach einmal bei einem unserer Stammtische vorbei (Termine siehe Rubrik “Veranstaltungen”).
Nehmt ihr auch Männer auf?/ Seid ihr eine sog. gemischte Verbindung?
NEIN. Siehe Absatz oben.
Was bringt mir eine Verbindung eigentlich?
Es bringt im Allgemeinen sehr viel, einer Verbindung anzugehören. Hier seien nur einige Gründe aufgeführt, warum es sich lohnt:
Man lernt viele interessante Menschen kennen, dies geht natürlich auch über die eigene Verbindung hinaus. Kontakte sind immer nützlich!
Nebst der Geselligkeit lernt man eine Menge, pflegt Gesangesgut und Diskussionskultur, übernimmt Aufgaben (Chargen und Funktionen), die viel zur Persönlichkeitsbildung beitragen.
Wer sagt, dass Frauen sich lieber karitativ engagieren sollen, spricht ihnen ab, dass es auch einmal um sie selbst gehen darf! (Wobei ich karitativem Engagement keineswegs etwas Absprechen möchte – aber es handelt sich dennoch um ein Klischee, dass Frauen nur dann zugebilligt wird, sich zu Vereinen zusammenzuschließen, wenn sie sich um das Wohl anderer kümmern.) Nein, wir sind nicht zuallererst ein karitativer Verein, hier geht es um UNS – so egoistisch das auch klingen mag. In Wirklichkeit ist es freilich keineswegs egoistisch, denn die Bundesschwesterlichkeit unter den Mitgliedern schließt eigenbrötlerisches Handeln aus. Eine Verindung ist keine Ich-AG, sondern ein Nährboden sozialer Kompetenz.
Wie lauten die Bezeichnungen für Mitglieder?/ Seid ihr hierarchisch strukturiert?
Damit eine Verbindung funktionieren kann, muss sie einer gewissen Struktur entsprechen. Diese haben wir nicht frei erfunden, sondern lediglich für unseren Gebrauch adaptiert.
Probemitglieder in den ersten Semestern (meist dauert die Probezeit 2-3 Semester) nennt man auch bei uns Füchse, Vollmitglieder (Aktive, die Mitglieder der Activitas nach positiv abgelegter Prüfung zur Erhebung in den Damenstand) nennt man Damen, spätestens zwei Semester nach Beendigung der akademischen Ausbildung wird man Philistra.
Die Aktiven-Chargen heißen bei uns Seniora [= x] (=Obfrau der Verbindung), Conseniora [= xx] (=Obfrau-Stellvertreterin), Schriftführerin [=xxx], Kassierin [=xxxx] und Fuchsmajora [=FM](=vergleichbar mit einer Ausbildnerin des Nachwuchses an Probemitgliedern, sie bereitet die Fuchsen u.a. auf ihre Branderprüfung und die Prüfung zur Erhebung in den Damenstand vor, bei denen die Kenntnis der couleurstudentischen Grundlagen, z.B. Verbindungs- und Verbandsgeschichte, Comment, Liedgut etc. abgefragt werden).
Jede Aktive hat drei Chargen zu absolvieren, bevor sie philistriert werden kann. Damit ist eine funktionierende Vertretung der Verbindung gewährleistet.
Auch in der Philistraenschaft gibt es Chargen (Philistraseniora, Philistraconseniora, Philistraschriftführerin, Philistrakassierin).
Was hat es mit den Pseudonymen auf sich?
Jedes Mitglied unserer Verbindung sucht sich zu Beginn einen Couleurnamen, Biernamen bzw. Vulgonamen aus, mit dem sie innerhalb der Verbindung angesprochen wird. Auch diese Sitte unterscheidet konfessionelle Verbindungen meist von nicht konfessionellen Korporationen.
Die gewählten Couleurnamen sagen meist etwas über die Interessen, die Persönlichkeit oder zumindest etwas über den Humor der jeweiligen Trägerin aus.
Gendert ihr couleurstudentisches Liedgut?
NEIN. Wir betrachten die Texte als historische Quellen, die ihrer jeweiligen Entstehungszeit und ihren Gepflogenheiten entsprungen sind. Sie zu gendern, wie es dem momentanen Zeitgeist entspräche, würde in unseren Augen eine Verunglimpfung bedeuten und dem Liedgut nicht gerecht werden. Wir respektieren aber freilich die unterschiedlichen Auffassungen anderer Damenverbindungen zu diesem Thema.
Ich hoffe, nun konnten einige Fragen geklärt werden.
Katjusha (VIR Gründungs-x, Webwart)
post scriptum: Ein kleines couleurstudentisches Glossar findet man übrigens ganz leicht im Internet, zum Beispiel hier.